Gipfeltreffen Schweiz: Rinaldo, Leiter einer Texter-Agentur

Veröffentlicht am 27.02.2013 von team twago

Letzte Woche fiel unser „Let´s meet …“ leider aus, dafür geht es heute schreib-kräftig weiter mit Rinaldo, Chef vom Ganzen bzw. Gründer der Text- und Übersetzungsagentur Supertext AG. Er ist erfahrener Texter, Autor und Unternehmer.

1. Warum hast Du dich dazu entschieden, eine eigene Firma zu gründen und den riskanten Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen? Wie kam es dazu?

Nach knapp 10 Jahren als Werbetexter brauchte ich eine Werbepause. Als ich nach drei Monaten Mexico aus der Hängematte kam, heuerte ich als Freelance-Texter beim Institut für Jungunternehmen an. Ich sollte die Website neu texten. Um mir ein Bild des Instituts zu machen, besuchte ich einen Businessplan-Workshop. Ja, und so saß ich dann mit 20 Leuten in einem Zimmer und alle hatten eine Idee für eine eigene Firma. Das wollte ich definitiv auch. Meine erste Idee drehte sich um gestrickte Socken. Ich wollte einen Internetshop namens Grosisocken aufbauen, in dem sich die Kunden ihre eigenen Socken designen können. Ich hätte dann die entsprechende Wolle samt Strickvorlage an ein Netzwerk von echten Großmüttern geschickt, die die Socken stricken. Ich sah bereits Marketing-Events auf Skipisten mit strickenden Omas. Aber je länger ich mich damit beschäftigte, desto weniger interessierten mich Socken und Omas. Und ich beherzigte einen wichtigen Tipp aus dem Businessplan-Workshop: Schuster, bleib bei deinen Leisten. So kam ich zurück zum Texten. Aus den Omas wurden Texter und statt Socken konnte man Werbebriefe, Mailings, Newsletter, Webtexte und Slogans bestellen. Für diese Idee konnte ich meinen Bruder und einen Schulkollegen begeistern. Am 1. Februar 2006 gingen wir mit www.supertext.ch online. Am 2. Februar kam die erste Bestellung. Heute sind wir 15 Leute im Büro und betreuen ein Netzwerk mit mehr als 400 Texter, Autoren, Lektoren, Korrektoren und Übersetzer.

2. Wie sieht Dein typischer Arbeitstag aus?

Nachdem ich meine kleine Tochter in die Krippe gebracht habe, starte ich zwischen 08.30 und 9 Uhr mit einem Espresso. Mein Bruder Fabian kümmert sich um die betriebswirtschaftlichen Sachen und die Finanzen und Rémy Blättler programmiert mit zwei Entwicklern unser Online-System weiter. Bei mir liegen Marketing, Kommunikation und Verkauf. Ich schreibe Offerten für größere Text- und Übersetzungsprojekte, telefoniere mit Kunden, organisiere unsere Messeauftritte, denke mir neue Marketingideen aus, kümmere mich um den Content und das Design unserer Website sowie der Werbemittel und schreibe dann und wann ein Interview.

3. Was waren Deine größten Herausforderungen bisher?

Es gibt zwei Dinge, die uns im Moment am meisten beschäftigen. Das eine ist der Übergang vom Start-up zum Wachstumsunternehmen. Wir haben letztes Jahr sechs neue Mitarbeiter eingestellt. Am Anfang wussten und machten alle ein bisschen alles. So ab 10-15 Mitarbeitern heißt es Strukturen, Abteilungen und klare Jobprofile schaffen. Und das andere ist die Qualität. Um trotz der wachsenden Anzahl Kunden die Textqualität hoch zu halten, mussten wir die Prozesse verfeinern.

4. Was unternimmst Du, um Deine Agentur bekannter zu machen?

Wir haben vieles ausprobiert. Marketing ist ja ein einziges Trial and Error. Zu Beginn haben wir Briefe und Mailings verschickt und Wunschkunden kalt abtelefoniert. Ebenfalls gehen wir seit Beginn mit einem Stand an Messen im Umfeld von Marketing und Kommunikation. Wir machen Google AdWords, füttern einen Blog (Supertext-Magazin) mit täglich neuen Beiträgen zum Thema Sprache, haben Banner und Anzeigen geschaltet, handgeschriebene Postkarten verschickt. Aber am Ende sind es die persönlichen Kontakte, die zählen und die für Weiterempfehlungen sorgen.

5. Wenn Du jungen Gründern einen Tipp geben könntest, welcher wäre es?

Es muss nicht die absolute Wahnsinnsidee sein. Google, Apple und Facebook sind Ausnahmen. Man kann auch mit Hamburgern oder Kaffee erfolgreich sein. Die Frage ist, was man daraus macht. Man sollte einfach sein Ding durchziehen und sich nicht durch all die Widerstände und Bedenken von seiner Idee abbringen lassen. Das wichtigste am Anfang sind nicht die Idee und das Logo. Sondern die Kunden. Ein Unternehmen steht und fällt mit dem Verkauf. Telefon in die Hand nehmen!

6. Warum sollten Firmen auf die Tätigkeiten eines Texters zurückgreifen? Welche Vorteile bringt das mit sich?

Texten ist ein Kunsthandwerk wie das Malen. Natürlich kann jeder seine Wand zuhause selbst anstreichen. So lange sie einfach nur weiß sein soll, kriegen das die meisten auch hin. Aber sobald Muster und Figuren hinzukommen, lohnt es sich, einen Profi zu beauftragen. So ist das auch beim Texten. Sich einen griffigen Slogan ausdenken braucht viel Erfahrung und Können. Und auch wie man suchmaschinenoptimierte Texte verfasst, weiß nicht jeder. Text ist, genau wie das Logo und die Firmenfarben, Teil der Corporate Identity eines Unternehmens. Vielleicht sogar noch wichtiger. Denn am Ende wollen es die Kunden schwarz auf weiß haben, warum sie hier und nicht da kaufen sollen.

Jetzt Texter beauftragen

7. Wie stellst Du dir die Zukunft des Webs vor?

Das Web wird die ganze Welt miteinander verbinden. Menschen mit Menschen, Menschen mit Objekten und Objekte mit Objekten. Alles wird online gehen: Menschen, Tiere, Autos, Flugzeuge, Häuser, Bäume, Lebensmittel, alles, was Impulse senden kann, wird angeschlossen und die Welt zu dem machen, was sie schon immer war: ein großes Ganzes.

8. Das letzte Wort hast Du:

Was, schon fertig? Für weitere Fragen, hier mein Blog: Fragen Sie den Chef vom Ganzen.

Mehr Interviews zum Vergleichen gibt es hier:

Auch interessant:

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *