Frauen und IT – eine sexy Kombination?

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Es gibt selten Berufsfelder, die derart vom „starken Geschlecht“ dominiert sind – das weite Feld der Informationstechnik (IT) ist ein solches. Seit Jahren versuchen Technische Universitäten mehr weibliche Studentinnen in den Hörsaal zu locken und für technische Berufe zu begeistern – doch vergeblich.

Zu Beginn sollte die Frage geklärt werden, warum bei Frauen eine generelle Abneigung gegenüber IT-Berufen besteht? Geprägt von veralteten Rollenbildern wollen junge Mädchen Ärztin, Kindergärtnerin oder Krankenschwester werden, so eine Studie aus dem Jahre 2007 des Deutschen Jugendinstituts. Um diese „verkrusteten“ Rollenbilder aufzuheben, bedarf es neuer – doch die sind Mangelware. Erfolgreiche deutsche Frauen in der IT sind selten. Oder kennen Sie etwa Regine Stachelhaus oder Angelika Glifford? Beide erfolgreiche IT-Frauen großer Konzerne wie E.ON oder Microsoft Deutschland.

Neben den vorgeprägten Denkstrukturen hat die IT-Branche an sich mit einem Imageproblem zu kämpfen. Das Bild sozial inkompetenter Computerfreaks, die nächtelang vor dem PC verbringen, sitzt tief. „Die Begeisterung junger Frauen ist kein Selbstläufer. Wir müssen junge Frauen für technische Berufe gewinnen“, so Prof. August-Wilhelm Scheer, BITKOM Präsident.

Frauen empfinden auch die Unternehmenskultur im IT-Bereich als stark männlich geprägt. Das Gefühl sich beweisen zu müssen, um unter den männlichen Kollegen bestehen zu können, hindert viele Frauen am Einstieg in die Branche. Aufstiegschancen im IT-Sektor werden als unwahrscheinlicher erachtet als in anderen Bereichen. Bedenkt man, dass für Frauen eine Entscheidung für die Karriere immer noch eine Doppelbelastung bedeutet, scheint es unlogisch, sich in einer Domäne etablieren zu wollen, die noch zusätzliche Anstrengung erfordert. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch weiterhin ein relevanter Punkt für Frauen.

Den dringenden Handlungsbedarf zeigt auch die aktuelle Statistik der BITKOM: 2009 betrug der Frauenanteil in IT-Ausbildungsberufen nur 9,0 Prozent. 2005 hingegen lag er noch bei 10,6 Prozent. In IT-bezogenen Studiengängen sieht die Lage ähnlich aus, wie die aktuelle Untersuchung zeigt. In freiberuflichen IT-Tätigkeiten sind Frauen noch seltener anzufinden. Eine Analyse der

Onlinevermittlungsplattform twago.de für Dienstleister aus den Bereichen Programmierung sowie Design und Medien, hat gezeigt, dass die Frauenquote abnehmend ist. „In den letzten Monaten hat sich die Anzahl unserer Programmierer stark erhöht, bei der genauen Auswertung unserer Dienstleisterdaten mussten wir feststellen, dass gleichzeitig der Frauenanteil gesunken ist. Unter den Grafikdesignern und Mediengestaltern hingegen ist immer noch ein hoher Prozentsatz Frauen“, so Gunnar Berning, Gründer und Geschäftsführer der twago GmbH.

Frauenanteil im IT-Dienstleistungsbereich seit Jahren rückläufig

Immerhin ein Fünftel der Freelancer und Selbstständigen aus dem Segment Design und Medien sind Frauen, mit leicht wachsender Tendenz seit dem letzten Jahr. Im Bereich Web und Programmierung hingegen ist der Frauenanteil sehr gering. Auffällig ist der weiter sinkende Prozentsatz: So betrug der Frauenanteil im Jahre 2009 11,7 Prozent, 2010 hingegen sank er auf 10,1 Prozent.

Unflexible Arbeitszeitmodelle, schlechte Aufstiegschancen und zu wenige Vorbilder sind die Gründe für die geringe Frauenquote im Informations-und Technologiebereich.

„Die meisten Vorurteile lassen sich leicht korrigieren“, so Prof. Scheer. „In der jungen IT-Branche gibt es innovative, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und gute Leute haben hervorragende Karrierechancen. Das Bild vom einsamen Programmierer, der nachts im Keller sitzt und keinen Partner findet, ist ein längst überholtes Klischee.“

Freie Zeiteinteilung und flexible Arbeitszeitmodelle sind für viele Arbeitnehmer besonders wichtig – insbesondere aber für Frauen. Die Möglichkeit, seine Kinder rechtzeitig vom Kindergarten abzuholen und mehr „quality time“ miteinander verbringen zu können, ist ein großes Privileg. „Gerade die Arbeit als Freiberufler oder Selbstständiger bietet Frauen eine Vielfalt an Chancen. Die Entscheidung zwischen Familie und Beruf ebenso wie der tägliche Spagat zwischen beidem wird hinfällig“, so Berning.

Einer Umfrage der Wirtschaftswoche zufolge sind Frauen in der Selbstständigkeit glücklicher als im Angestelltenverhältnis. Führungsverhalten des Vorgesetzten, geringe Aufstiegschancen und zu niedriges Einkommen sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die Hauptgründe für den Weg in freiberufliche Tätigkeiten. „Als Selbstständige müssen sich Frauen mit den genannten Problemen nicht beschäftigen. Sie sind ihr eigener Chef und arbeiten nach ihren eigenen Vorgaben. Machtkämpfe mit männlichen Kollegen sind passé“, so Berning. Bei Onlineplattformen für Freelancer müssen die Dienstleister nicht einmal Zeit für die Akquise ihrer Kunden aufbringen, sondern bekommen alle neuen Projekte direkt via E-Mail zugeschickt. Laut

Mehr Zeit im Homeoffice gewünscht

BITKOM würden gerne 20 Prozent der befragten Frauen von zu Hause aus arbeiten und immerhin 37 Prozent präferieren eine Mischung aus Heim- und Büroarbeit. Als Freelancer oder Selbstständige haben Frauen genau diese Möglichkeiten. Sie können ihr Büro in den eigenen vier Wänden eröffnen oder sich eine Bürogemeinschaft mit anderen Freiberuflern teilen.

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