Der folgende Artikel wurde von Julian Redlich verfasst. Er ist seit zwei Jahren selbstständig und berichtet von Erfolgen und Problemen, die im Zyklus einer Selbstständigkeit auftreten können. Derzeit arbeitet er für die Projektvermittlungsplattform twago im Bereich Online Marketing.

Der Weg in die Selbstständigkeit stellt sich für viele als sehr schwierig und risikoreich dar. Manche denken sogar, dass man eine bestimmte Prüfung oder ähnliches dafür ablegen muss. So ist es jedoch nicht. Es reichen 26,50€ Bearbeitungsgebühr für das Amt und ein Ausweis um ein Unternehmen zu eröffnen. Vorher sollte man jedoch alle Risiken abdecken und sein Vorhaben gut durchdacht haben. Hier eine kleine Checkliste, was unbedingt zu beachten ist:
- Hast du eine gute Geschäftsidee?
- Was ist dein Alleinstellungsmerkmal? Warum sollten andere (Kunden, Auftraggeber) Deine Dienste bzw. Leistungen in Anspruch nehmen?
- Hast Du das nötige Kapital, um Deine Idee umzusetzen?
- Reichen Deine Kontakte aus, um Dir einen Kundenstamm aufzubauen?
- Wie werden andere auf Dich, Dein Produkt oder Deine Leistungen aufmerksam?
Wenn du diese Fragen ohne Überlegen beantworten kannst, dann verfasse als nächstes einen sogenannten „Businessplan“. Jedes Startup sollte zu Beginn einen solchen Plan verfasst haben. Passende Vorlagen dazu findest du im Internet oder in einem der vielen Gründerzentren. In einer solchen Institution bekommst du schnelle Hilfe und Antwort auf deine Fragen. Meist sind diese für Gründer kostenfrei, da sie z.B. von der IHK gefördert werden. Es ist auch ratsam, dort diverse Kurse zum Thema Buchhaltung, Marketing oder gründungsvorbereitende Kurse zu belegen. Kompetente Mitarbeiter helfen dir dort bei der Umsetzung deiner Idee und geben dir eine gute Hilfestellung. In Gruppenkursen können die einzelnen Ideen durchgesprochen und spätere Risiken gemindert werden.
In deinem Businessplan sollte es auch eine Kategorie geben, die die Wirtschaftlichkeit deiner Idee/deiner Unternehmung darstellt. Damit ist gemeint, dass alle Ausgaben und geschätzten Einnahmen gegenüber gestellt werden. Wenn du zum Beispiel einen Onlineshop für Handys erstellen möchtest, wird gefragt, wie viele Telefone du verkaufen musst, um deine monatlichen Kosten decken zu können. Hier ein kleines Rechenbeispiel (die Zahlen sind als Beispiel zu verstehen – es wird davon ausgegangen, dass der Versand im Preis enthalten ist und nicht zusätzlich berechnet wird):
Einnahmen:
| Durchschnittlicher Einkaufspreis pro Handy | 500€ inkl. MwSt. |
| Durchschnittlicher Verkaufspreis pro Handy | 510€ inkl. MwSt. |
| Durchschnittlicher Verdienst pro Handy | 10€ |
Ausgaben monatlich:
| Server auf dem die Internetseite läuft | 200€ inkl. MwSt. |
| Gütesiegel für Onlineshops | Ca. 70€ inkl. MwSt. |
| Gebühr für Domain | 2€ |
| Servicenummer (01805) | 15€ |
| Internet/ Telefonanschluss | 20€ |
| Krankenversicherung | 300€ |
| IHK Pflichtbeitrag | 6€ |
| div. Gebühren | 100€ |
| Summe Gesamt | 713€ |
Um die monatlichen Kosten nur für den Onlineshop zu decken, müssen also ca. 72 Handys pro Monat (ca. 2,4 Stk. pro Tag inkl. Wochenende) verkauft werden. Jedes Telefon, das mehr verkauft wird, stellt dann den Gewinn dar. Davon müssen dann noch die einmaligen Kosten wie Büroeinrichtung (Computer, Drucker, Schreibtisch, etc.) und Werbeausgaben (Google AdWords, Printmedienwerbung, Fernsehwerbung, Facebookads, etc.) abgezogen werden. Auch die Erstellung einer Internetseite durch einen HTML-Programmierer kostet Geld, es sei denn, man bringt die nötigen Programmierkenntnisse schon mit.
Eine solche Wirtschaftlichkeit sollte auf ein, drei und fünf Jahre berechnet/geschätzt werden, um zukunftssicher planen zu können. Man sollte auch darauf achten, keine langjährigen Verträge für den Server oder andere Fremdleistungen abzuschließen, da man dies auch weiterhin zahlen muss, obwohl möglicherweise die Firma nicht mehr existiert.
Wenn du eine Firma gründen möchtest, wird irgendwann die Frage aufkommen, welche Rechtsform sie besitzen soll. Man kann keine spezielle Form empfehlen, da sie direkt abhängig von dem Vorhaben der Firma ist. Aber warum sollte man überhaupt eine Rechtsform wählen? Hier die wichtigsten Gründe:
- Haftungsrisiko wird in der Gründungsphase reduziert
- Leitungsbefugnisse Gesellschafter/ Geschäftsführer
- Gewinn- und Verlustverteilung
- Möglichkeiten einer Finanzierung (da bei bestimmten Rechtsformen eine Sicherheit gegeben wird – durch Stammeinlage)
- Schutz des Privatvermögens
Um die Entscheidung jedoch etwas zu erleichtern, habe ich im Folgenden eine kleine Übersicht zusammengestellt, welche die meist genutzten Rechtsformen sind.

Um klein anzufangen und auch wenn man nicht sehr viel Kapital zur Verfügung hat, ist es also praktisch, eine UG (haftungsbeschränkt) zu gründen, da sie nur 1€ Stammkapital (beliebig erweiterbar – ähnlich der Ltd.) benötigt und trotzdem das Privatvermögen schützt. Der große Nachteil besteht darin, dass die Rechtsform bei Großhändlern und Banken nicht sehr beliebt ist, da sie keine Sicherheiten für sie bietet. Des Weiteren muss sie durch einen Notar beglaubigt werden, was auch mit etwa 200€ – 500€ zu Buche schlägt.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine Selbstständigkeit in erster Linie sehr viel Verantwortung und organisatorische Fähigkeiten fordert. Der Weg in diese Richtung sollte immer gut überlegt sein, da sie finanziell gesehen sehr anspruchsvoll ist. Man ist sein eigener Chef und damit muss man auch umgehen können. Nur wer zielstrebig arbeitet und an sein Projekt glaubt, kann damit etwas erreichen. Wer den Traum von der Selbstständigkeit leben möchte, sich derzeit jedoch in einem festen Arbeitsverhältnis befindet, der kann die Tätigkeit zunächst als Nebentätigkeit ausüben. Somit sind die Risiken des Scheiterns etwas gemindert, da man weiterhin seinen regulären Verdienst bekommt.
Bildquelle: © adamr - http://www.freedigitalphotos.net
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