Freiberufler sind keine Unternehmer Teil 5

Carsten Hokema ist Organisationsberater, Experte für Entrepreneurship und kreative Strategien und Gründer von www.innodate.com. Er hält Vorlesungen an verschiedenen Universitäten über Kreativität und leitet Workshops an der neuen Unternehmer Akademie Berlin. Heute nun wie versprochen der letzte Teil der Reihe “Freiberufler sind keine Unternehmer”.

Jeder Freiberufler kennt das Problem: „Zu wenig Zeit, zu wenig Geld und immer alles selber machen müssen.“ Man weiß oft nicht, wo einem der Kopf steht und was man zuerst machen soll. Am Ende des Tages ist dann vieles liegen geblieben und man geht irgendwie unzufrieden nach Hause. Und das, obwohl man den ganzen Tag aktiv war.

Folgende sieben Schritte führen Sie als Freiberufler und Betreiber heraus aus einer Situation des Zeitmangels und der Überarbeitung und ermöglichen den Aufbau einer funktionierenden Organisation, auch wenn sie noch so klein ist und vielleicht nur einer Person besteht.

6. Schritt: Aufgaben dauerhaft abgeben

Sie können den Problemen der Überlastung und des Zeitmangels nur entkommen indem Sie nachhaltige Lösungen finden. Diese liegen mit großer Sicherheit in der Neuordnung der Funktionen und Aufgaben Ihres Unternehmens als Organisation. Nur wenn Sie wissen, in welcher Rolle Sie wirklich zuhause sind und welche Aufgaben damit zu Ihnen gehören, können Sie das Freiberuflerproblem auflösen.

Delegieren Sie die Aufgaben nicht, denn das heißt letztlich nichts anderes, als dass es immer noch Ihre Aufgabe bleibt. Geben Sie die Aufgaben dauerhaft ab. Die Aufgaben müssen dort ausgeführt werden, wo sie der Rolle nach hingehören. Denken Sie daran, dass Sie zwar für das Ganze, nicht aber für alles verantwortlich sind. Das ist Führung und ohne das Element der Führung werden Sie kaum wirklich zurecht kommen.

7. Schritt: Unternehmeraufgaben wahrnehmen

In jedem Unternehmer fallen Aufgaben an, die man nur aus der Rolle des Unternehmers heraus angehen kann. In den meisten Unternehmen ist diese Rolle jedoch nur sehr unzureichend besetzt und die entsprechenden Aufgaben werden nicht erkannt, weil Sie sich nicht lautstark bemerkbar machen. Es liegt eine gewisse Paradoxie darin, dass die wirklich wichtigen Aufgaben sich nicht oder nur schwach bemerkbar machen. Manchmal geht ein Unternehmen zugrunde, ohne dass die Ursachen zuvor bemerkt wurden. Viele Unternehmer stutzen, wenn man ihnen sagt, dass sie Ihre Unternehmeraufgaben gar nicht ausführen.

Man sollte hier vielleicht besser den Begriff „wahrnehmen“ benutzen, denn damit lässt sich zugleich erklären, warum diese Aufgaben nicht ausgeführt werden. Sie werden nicht ausgeführt, weil sie nicht wahrgenommen werden. Und das geschieht, weil den meisten Menschen schlicht und ergreifend gar nicht klar ist, worin sich die Aufgaben von Managern und Unternehmern unterscheiden. Manchmal mischen sich sogar noch die Aufgaben der Fachkräfte mit in diesen Pool von Tätigkeiten. Dann ist das Chaos perfekt.

Es existiert dort einfach kein klares Modell von dem, welche Aufgaben zu welcher Rolle gehören und welche Person welche Rolle einzunehmen hat. Die vornehmste Aufgabe des Unternehmers besteht darin, eine Organisation aufzubauen, die den Output liefert, für den sie geschaffen wurde. Das ist der einzige Zweck des Unternehmens. Das ist das Wertangebot oder der Nutzen. Alle Tätigkeiten ordnen sich letztlich diesem Zweck unter. Wenn es anders ist, gerät eine Schieflage in die Organisation, die Spannungen und Irritationen auslöst. Klären Sie also zunächst den Zweck und richten Sie alles danach aus, die gesamte Organisation inklusive der drei Rollenebenen Unternehmer, Manager, Fachkraft.

Spätestens dann wird Ihnen ein Licht aufgehen.

Bildquelle: Carsten Hokema / innodate.com

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