Interview mit Hüseyin Yilmaz, Vorstand des Türkischen Unternehmer und Handwerker e.V. Berlin
Deutschland ist ein beliebtes Zuwanderungsland. So leben zum Beispiel circa drei Millionen türkisch-stämmige Bürger in der Bundesrepublik Deutschland. In Berlin allein sind 108.000 Türken gemeldet (Dezember 2009). Die deutsche Hauptstadt bildet damit die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei in Europa.
Herr Yilmaz stand uns Frage und Antwort in Bezug auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Türken.
Türkische Mitbürger gehören zum Alltag in Deutschland. Doch vergisst man darüber manchmal, dass in der Türkei selbst circa 73 Millionen Türken leben. Im Zeitalter der Globalisierung, stellt dies enorme Chancen in der internationalen Zusammenarbeit dar. Auch bei twago sind circa 500 türkische Experten registriert.
So nah türkische Mitbürger uns im Alltag sind, so unterschiedlich sind manchmal die Arbeitsgepflogenheiten. Im folgenden Interview beantwortet Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender des Türkischen Unternehmer und Handwerker e.V. Berlin, Fragen zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit türkischen Arbeitspartnern.
twago: Herr Yilmaz, sie leben mittlerweile über 25 Jahren in Deutschland und arbeiten seit 5 Jahren als Vorsitzender des Türkischen Unternehmer und Handwerker e.V. Berlin. Sind Türken ein unternehmerfreudiges Volk?
Yilmaz: Ja, das sind sie. Viele meiner Landsleute haben sich selbst das Ziel gesetzt in die Selbstständigkeit zu treten. Türken mögen es, ihr eigener Chef zu sein und entscheiden zu können, was wie läuft. Türken sind risikobereiter und kreativer als viele andere Nationen, wenn es um Geschäftsideen geht. Das ist bei Türken in der Türkei, aber auch bei Türken im Ausland so.
twago: Jede Nationalität hat unterschiedliche Arbeitsstyle. In jedem Land gibt es andere Tabus für Geschäftsbeziehungen. Was sollte man beachten, wenn man mit türkischen Partnern zusammenarbeitet?
Yilmaz: Türken legen großen Wert auf Persönlichkeit. Klar, es geht auch bei ihnen um den Profit, aber dieser steht hinter persönlicher Interaktion und dem Respekt für den Gegenüber oft zurück. Es ist wichtig, nicht mit der Türe ins Haus zu fallen. Preise sind oft Verhandlungssache. Persönliche Kontakte sind sehr wichtig. Über Empfehlungen finden viele Türken neue Geschäftspartner. Stimmt das Zwischenmenschliche, steht dem Beruflichen oft nichts mehr im Weg. Flexibilität wird großgeschrieben.
twago: Was sind die größten Herausforderungen für türkische Unternehmer die ins Ausland gehen?
Yilmaz: Die Herausforderungen sind für Türken die gleichen, die alle anderen auch haben: anderer juristischer Rahmen, andere gesellschaftliche und politische Regeln, von denen man oft genug viel zu wenig weiß. Auch Sprachbarrieren und oft genug Heimweh kommen hinzu.
twago: Was würden Sie sich von der deutschen Unternehmerschaft wünschen, um türkische Unternehmer besser zu integrieren?
Yilmaz: Fair Play und auf Augenhöhe zu Netzwerken zum gegenseitigen Vorteil. Ich denke hier liegen Chancen die bei Weitem noch nicht erkannt und ausgeschöpft sind. In Deutschland leben vieleTürken. Das kann auch als Chance für deutsche Unternehmer angesehen werden.
twago: Aufgrund ihrer Erfahrung, was würden Sie türkischen Unternehmen raten, um in Deutschland erfolgreich zu sein?
Yilmaz: Man muss den Markt vorher gründlich studieren und dann sein eigenes, unverwechselbares Profil entwickeln. Jeder sollte vorher wissen, welche Voraussetzungen brauche ich und welche bringe ich mit? Kooperationen eingehen und Netzwerken beitreten, um Anfangsschwierigkeiten schneller aus dem Weg räumen zu können. Dies sind folgerichtige Entscheidungen und ein weiterer Baustein zum Erfolg.
twago: Vielen Dank für das Interview und noch weiterhin viel Erfolg mit der Vereinsarbeit.



Pingback: Philippinen – twago erklärt die Welt | twago Blog