Niemand geht auf Arbeit um am Monatsende ohne Bezahlung da zu stehen. Das gilt ebenso für Freiberufler und Selbstständige, die sich selbstverantwortlich um Aufträge und somit auch um Bezahlung kümmern müssen. Jedoch gibt es gerade für diese Berufsgruppe den Fall, dass Aufträge ohne Bezahlung erledigt werden.

Für gute Aussichten muss man manchmal einen Schritt zurück gehen
Davor schrecken wahrscheinlich in den meisten Fällen fast alle Selbstständige zurück. Auf den zweiten oder dritten Blick jedoch bieten derartige Aufträge manchmal ungeahnte Möglichkeiten. Gerade am Anfang der Freelancer-Karriere können Projekte ohne Bezahlung Kunden und damit bezahlte Folgeaufträge nach sich ziehen. Der Kunde bekommt einen Einblick in die Leistung und kann sich von den Fähigkeiten überzeugen. Das Vorgehen manche Projekte „für lau“ zu bearbeiten darf man als Selbstständiger jedoch nicht pauschalisieren und ist stark einzelfallabhängig. Die Vorgehensweise kann auch mit sich-ausnutzen-lassen verwechselt werden. Um dies zu umgehen, ist die richtige Taktik entscheidend.
In einem früheren Artikel haben wir bereits berichtet, warum sich häufig kleine Projekte lohnen. Mit diesem Artikel gehen wir noch einen Schritt weiter und erläutern warum unbezahlte Leistungen nicht zwangsweise verschenktes Geld sind, sondern als Investition zu betrachten sind. Ein freiberuflicher Autor soll als Beispiel dienen.
Unbezahlte Arbeit lohnt sich fast immer wenn man dafür einen entsprechenden Gegenwert erhält – nicht-monetär. Es gibt Angebote, bei denen kann man für Partner Texte schreiben und im Gegenzug deren Fähigkeiten in Anspruch nehmen. Beispielsweise fragt ein befreundeter SEO-Experte nach ein paar Pressetexten und überarbeitet dafür die eigene Homepage im Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung.
Wenn andere potentielle Auftraggeber von ihrer Arbeit durch ein unbezahltes Projekt erfahren, ist es das wert. Natürlich sollte es nicht darauf hinauslaufen, dass andere auch unbezahlte Arbeit erwarten, sondern Projekte vergeben. Wenn man also die Möglichkeit hat einen Text für ein bekanntes Online-Medium zu schreiben und dafür eine Link erhält, sollte man dies auf alle Fälle nutzen.
Man sollte auch nie die eigenen Freunde vergessen. Wenn man jemanden, den man gut kennt, aus der Patsche helfen kann, sollte man dies tun – auch ohne Bezahlung. Gute Freunde und Verwandte merken sich derartige Gefallen und werden sich bei Bedarf revanchieren. Der Laufpartner freut sich über Hilfe bei der Formulierung der Einladungen für seinen Geburtstag oder die Tochter des besten Freundes ist dankbar für Unterstützung bei den Bewerbungsschreiben. In beiden Fällen werden die Begünstigten mit ihren Fähigkeiten bei Bedarf hilfreich zu Hand gehen können.
Wenn man kreative Ideen hat, diese jedoch nicht wirklich vermarkten kann und nie Geld dafür bekommen würde, sollte man diese dennoch verbreiten und anderen kostenlos zugänglich machen. Dies kann im Fall des Autors eventuell der Faible für Kurzgeschichten sein, die nirgends gewinnbringend vermarktet werden können jedoch kostenlos auf der Webseite angeboten werden.
Projekte, die die Reichweite der eigenen Marke erweitern, sind lohnenswert, auch wenn dafür kein direkter Gewinn entsteht. Ein Text, den viele lesen und bei dem der Autor gut erkennbar ist, fällt unter die Kategorie kostenlose Werbung. Normalerweise kann man für Texte mit einer großen Leserschaft eine entsprechende Vergütung erwarten. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen dies nicht der Fall ist. Im Ausnahmefall ist dies völlig in Ordnung, wenn man dafür ein bisschen Publicity um die eigene Marke bekommt.
Wenn man sich als Newcomer in der Branche etablieren möchte, ist möglicherweise ein guter Einstieg das erste (und zweite) Projekt kostenlos zu erledigen. Die erste Hürde für neue, gewinnbringende Projekte sollte somit genommen sein. Ein Autor sollte sich nicht zu schade sein, die ersten Tausend (oder mehr) Wörter ohne Bezahlung zu schreiben und dadurch Fuß zu fassen.
Falls ein Kunde eine Probe möchte, sollte man auch nicht zögern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Auftraggeber vor Vertragsabschluss einige Proben sehen möchte. Selbst wenn man im eigenen Portfolio viele Arbeitsproben hat, kann ein neuer Text von Vorteil sein. Beispielsweise kann man mit einem Text, der genau auf den Aufraggaber abgestimmt ist, den Auftrag an Land ziehen. Die Arbeitsprobe hat dann zwar keinen Gewinn abgeworfen, jedoch den richtigen Auftrag gesichert.
Letztendlich sind Aufträge für gemeinnützige Anlässe oder Organisationen auch oft von Vorteil. Wenn man an den Nutzen der gemeinnützigen Initiative für richtig hält, dann sollte man nicht zögern, sie zu unterstützen.
Kostenloses Arbeiten ist also nicht immer für umsonst. Die sich daraus ergebenden Gelegenheiten werden häufig unterschätzt.
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