Jeder arbeitet am liebsten das, was Spaß macht: Programmierer erstellen Code, Designer entwerfen Grafiken und Übersetzer bringen Texte von einer Sprache in eine andere. Und dann gibt es da noch die Aufgaben, die eher ein Übel sind, Finanzen beispielsweise – ein notwendiges Übel.
Freiberufler und Selbstständige sind ein Unternehmen in einer Person. Deshalb sind sie auch Chef, Controller, Vertriebsprofi, Entwickler, Marketingverantwortlicher und natürlich Hauptverantwortlicher für ihr jeweiliges Geschäftsfeld. Das heißt, sie müssen flexibel, vielseitig und umfassend gebildet sein und sich in vielen Bereichen der Unternehmensführung auskennen. Einer davon ist der Finanzbereich. In diesem Artikel werden einige wichtige Eckpunkte für die Sicherung und die Verwaltung des Finanziellen geklärt. Für die meisten Freiberufler und Selbstständigen ist das Finanzielle sicherlich eher ein Übel. Jedoch ist es ein sehr notwendiges Übel, denn ohne einen finanziellen Plan und Kenntnisse im Finanzmanagement kann eine kreative Geschäftsidee schneller als gedacht finanziell untergehen.
Finanzielles ist für viele Freiberufler ein wirres Übel - um zu überleben aber notwendig
Der Freiberufler-Vorteil liegt sicherlich in einem höheren Einkommen im Vergleich zu einer Festanstellung. Bevor es jedoch soweit ist, dass man als Freiberufler gut verdient, muss man häufig eine Zeit lang auf so manche Annehmlichkeit verzichten. Der Durchbruch kommt nicht sofort, häufig erst nach drei Jahren. Dabei hängt auch viel vom richtigen Umgang mit den Finanzen ab. Der Unsicherheitsfaktor in der Selbstständigkeit ist allerdings die Regelmäßigkeit des Einkommens; es ist nicht immer leicht vorherzusagen, wann wieviel auf der Haben-Seite verbucht werden kann.
Häufig ist bereits die Frage nach der Einkommensberechnung nicht einfach zu beantworten. Eine einfache, aber wirksame Formel könnte die folgende sein:
Einkommen = Summe (Umsatz laufender Projekte) + Summe (Ausschreibungswert potenzieller Projekte * Auftragschance) - Summe (Ausgaben) - Steuern
Die Summe der laufenden Projekte lässt sich recht einfach ermitteln. Die Formel für die Summe der potenziellen Projekte lässt sich zuverlässig am folgenden Beispiel illustrieren:
| Projekt | Ausschreibungswert | Auftragswahrscheinlichkeit | potenzieller Wert |
|---|---|---|---|
| Summe | 11.200 | ||
| 1 | 10.000 | 50% | 5.000 |
| 2 | 8.000 | 40% | 3.200 |
| 3 | 4.000 | 75% | 3.000 |
Investition
Die Formel lässt sich einfach über einen bestimmten Zeitraum aufstellen und dann auf ein Monatseinkommen herunterbrechen. Daraus ergibt sich die Summe, die man monatlich neben den Ausgaben für den täglichen Bedarf investieren kann: entweder in ein Sparkonzept, einen Investitionsplan oder zu Tilgung eines Kredits. Aber nur weil man kann, sollte man nicht denken, dass man muss. Geld, das “übrig” ist, sollte man geplant und wohl überlegt investieren, am besten in sich selbst. Man kann beispielsweise in Marketing investieren oder in andere Projekte, die nebenbei ablaufen und einen Einkommensstrom sicherstellen.
Preiserhöhung
Hat man sich am Freiberufler-Markt etabliert und mehr Auftragsanfragen als Zeit alle diese potenziellen Aufträge zu erfüllen, ist es Zeit, den Preis zu erhöhen. Dies funktioniert natürlich nur, wenn die Auträge durch die Erhöhung nicht einbrechen. Es sollte als vorsichtig und geplant erfolgen. Das folgende Beispiel illustriert jedoch, wie sich eine Preiserhöhung positiv auswirken kann. Verdoppelt man ausgegangen von einer 40-Stunden-Woche die Preise (was natürlich übertrieben ist) und verliert die Hälfte der Aufträge verliert, hat man immer noch dasselbe Einkommen aber 20 Stunden mehr Zeit. Diese 20 Stunden kann man in Neukunden-Akquise investieren. Dies ist zwar ein sehr vereinfachtes Beispiel, zeigt jedoch die Tendenz, wie Preisgestaltung als Stellschraube für mehr als nur Einkommen genutzt werden kann.
Natürlich gibt es für Freiberufler auch harte Zeiten. Doch diesen harten Zeiten folgen auch schöne, bessere Zeiten, in denen man sparen kann. Durch das nicht immer uneingeschränkt vorhersehbare monatliche Einkommen lässt sich die Regel “jeden Monat 10 % zur Seite legen” nicht bedingungslos anwenden. Es gibt Monate, in denen man möglicherweise von 0 € nichts zur Seite legen kann. Deswegen sollte man in Monaten mit hohem Einkommen mehr als 10 % sparen um in Monaten ohne Einkommen keine Probleme zu bekommen.
Man sollte also das Finanzielle nicht aus den Augen verlieren. Versteckte Kosten gibt es überall, ebenso gibt es aber auch verstecktes Potenzial für neue Einnahmequellen, die entdeckt werden wollen.
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