Lost in Translation: wandeln zwischen deutscher und chinesischer Kultur

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Shuai Leng in Deutschland

5 Fragen an Shuai Leng, Studentin aus China an der HTW Berlin. Shuai ist seit 2007 in Deutschland und hat ihr Bachelorstudium der Technischen Betriebswirtschaftslehre bereits erfolgreich abgeschlossen. Jetzt macht sie ihren Master in International Business.

1.Woran musstest du dich in Deutschland am meisten gewöhnen?
Erstmal musste ich mich natürlich an die Sprache gewöhnen. Mittlerweile verstehe ich zwar alles, aber gerade die Umgangssprache spreche ich noch nicht fließend.
Außerdem gibt es ganz andere kulturelle Regeln: Wenn jemand zum Beispiel Geburtstag hat, darf man ihm nicht schon einen Tag vorher gratulieren. Und die Supermärkte und Geschäfte sind an Sonn- und Feiertagen geschlossen. Am Anfang fand ich das unpraktisch, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.
2.Was vermisst du am meisten aus China?
Das Essen. Ich vermisse die leckeren und vielfältigen Speisen in China. Ehrlich gesagt, in Deutschland gibt es nicht so viele frische Fische, bisher habe ich nur die eingefrorenen im Supermarkt gesehen.

3. Wie würdest du die Deutschen beschreiben?
Insgesamt sind hier alles ordentliche, seriöse Leute: Besonders in Behörden und Ämtern muss man die Öffnungszeiten beachten.
Die Jugendlichen sind offener als in China: Party ist für sie eine der Lieblingssachen im Leben, aber sie können trotzdem das Studium und Vergnügen ganz gut ausgleichen, sind kreativ und selbstständig und können viele leckere Kuchen und Kekse backen.
Außerdem können die Deutschen das Leben auch gut genießen und Arbeit und Urlaub gut ausgleichen.
4. Was gefällt dir am meisten in Deutschland?
Die lockere Atmosphäre im Leben und Job, ordentlicher Verkehr auf der Straße.
Das Essen ist zum Teil auch lecker, z.B. die verschiedenen Nudelarten (Totellini, Lasagne, Spaghetti, Pasta…)
5. Was möchtest du in Deutschland unbedingt noch machen, bevor du wieder nach China gehst?
Mein Masterstudium möchte ich auf jeden Fall noch abschließen. Danach würde ich auch gerne noch eine Weile in Deutschland arbeiten. Mittlerweile habe ich ein bisschen Arbeitserfahrung in Deutschland gesammelt, unter anderem durch einen Ferienjob in Stuttgart und einem studentischen Nebenjob an der Uni. Momentan mache ich ein Praktikum im Online-Marketing bei twago.

Maria Lindinger, COO / CFO twago

5 Fragen an Maria Lindinger, COO / CFO bei twago und vorher 3 Jahre in China und Asien als Projektleiterin für Siemens Ltd. tätig

1. Was war die größte Umstellung für Sie in China?
Eigentlich keine, ich hatte vorher bereits in Thailand und Indien gearbeitet und empfand das Alltags- und Arbeitsumfeld in China als sehr angenehm.
2. Wie haben Sie die Chinesen allgemein erlebt?
Sehr freundlich und hilfsbereit, im Kollegenkreis ebenso wie auf Reisen (etwas Survivalchinesisch vorausgesetzt). Bei Verhandlungen oft hart und schwer zu durchschauen.
3. Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie anfangs zu kämpfen?
Am schwierigsten war denke ich, mir einen netten Freundeskreis außerhalb der Firma aufzubauen. Durch meine reiseintensive Tätigkeit, dazu die Distanzen in China und lange Arbeitszeiten dauerte das länger als ich mir vorgestellt hatte.
4. Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Land, Leute, Essen und die Schnelligkeit, mit der sich alles verändert. Die Einstellung, dass alles irgendwie machbar ist. Egal wie groß.
5. Welche Tipps können Sie für eine erfolgreiche Zusammenarbeit geben?
Schnell die – formale und inoffizielle Hierarchie – verstehen & Verbündete schaffen. Angenehme Arbeitsatmosphäre in der Abteilung schaffen – wir Deutsche sind oft aus chinesischer Sicht zu nüchtern / unnahbar und Mitarbeiter wechseln sonst schnell den Arbeitgeber.
Probleme 1:1 klären und nicht vor dem gesamten Team. Networking, networking, networking. Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren (gilt eigentlich überall). Bei der Vergabe von Aufgaben / am Ende von Besprechungen etc. den anderen die Details zusammenfassen lassen – um nicht später überrascht zu werden von einen völlig unterschiedlichen Verständnis.
Was nicht nachgefragt wird, wird als nicht mehr wichtig erachtet – also nach dem Status erkundigen. „Assume good intent“ – viele Schwierigkeiten entstehen aufgrund sprachlicher oder kultureller Mißverständnisse und nicht weil es jemand absichtlich böse mit einem meint

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